„Ich check das nicht“ im Thinking Classroom

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Gedanken nach der vierten Doppelstunde

In der letzten Reflexion habe ich davon gesprochen, dass ich durch die Übungszeit ermöglicht habe, die Inhalte zu vertiefen. Am Montagmorgen sah es gar nicht mehr danach aus, dass Inhalte vertieft werden können.

Aber von Vorne: Zu Beginn der Doppelstunde habe ich Kopfübungen mit den Lernenden gemacht. Inhalt der Kopfübungen war die Wiederholung von Inhalten aus den Stunden zuvor.

Danach ging es in die zufälligen Gruppen. Das hat wieder völlig problemlos funktioniert. Heute war zu beobachten, dass ein paar Jungs keine Leistungsbereitschaft zeigten die Aufgabe durch Denken zu lösen. Die Aussage „Ich checke es nicht.“ interpretiere ich so: der Inhalt der Aufgabenstellung verlangt Anstrengung, diese kann oder will der Schüler nicht leisten? Ist die Aufgabenstellung für diesen jungen Menschen zu schwer oder will er sich nicht anstrengen? Muss ich die Aufgabe einfacher machen oder Mittel und Wege finden, seine Leistungsbereitschaft zu steigern? Oder muss es eine Mischung aus beidem sein? Wie gehe ich mit mangelnder Leistungsbereitschaft zu denken um? Ist das Wissensfundament zu gering?

Die Aufgabe im Thinking Classroom ist es, Herausforderungen und Schwierigkeiten im Team zu lösen. Beobachtbar ist, dass die Schüler:innen noch sehr wenig miteinander reden. Oft sind es wenige Worte und Sätze, die die Schülerinnen miteinander sprechen. Das hängt imho einerseits mit den größtenteils mangelnden Sprachkenntnissen zusammen. Dazu kommt on top die Herausforderung mathematische Zusammenhänge verbalisieren zu können. Die Aufgaben können aber an den VNPS durchaus auch visuell gelöst werden, Sprache kann durch Skizzen ergänzt werden.

Ich überlege, wie ich das Scaffolding so schaffen kann, dass jede Gruppe in der Lage ist, die Aufgabe zu lösen. Wann lasse ich die Herausforderung im Team und wann muss ich eine individuelle Hilfeleistung geben? Wie trenne ich mangelnde Leistungsbereitschaft von echtem Hilfebedarf?

Liljedahl schreibt dazu, dass die so genannte „Dünne Scheiben“-Aufgabenfolge sich gut dafür geeignet die Schüler:innen im so genannten Flow zu halten. Das bedeutet, die Aufgaben so klein und leicht zu halten, dass sie schnell zu lösen sind. So fallen die Lernenden nicht in die Langeweile. Dagegen stehen die „Dicken Scheiben“, die Aufgabe, die eine große kognitive Herausforderung darstellt.

Laut Liljedahl sollen Hinweise für die Lernenden verwendet werden, um den Flow aufrecht zu erhalten. Es gibt zweierlei Arten von Hinweisen: Hinweise, die den Schwierigkeitsgrad verringern und Hinweise, die die Fähigkeiten/Skills der Lernenden erhöhen sollen.

So könne einerseits Hinweise zur Aufgabenlösung gegeben werden oder einen Hinweis auf eine gleiche oder ähnliche Denkweise zur Lösung der Herausforderung. Im Buch wird ausgeführt, dass die Anweisungen, die man normalerweise zu Beginn der Stunde geben würde, im Thinking Classroom zur Hinweisen werden, die man bei Bedarf einsetzt, um die Gruppen im Flow zu halten. Nebenbei: Um Flow allgemein zu erfahren, bieten sich laut Lilienthal Denkaufgaben außerhalb des Lehrplans an.

Ich habe festgestellt, dass der überwiegende Teil der Schüler:innen zu Beginn der Stunde einen kleinen Input braucht, sozusagen Handwerkszeug, um die kommende Aufgabe angehen zu können. Der Rückgriff auf die letzte Stunde und deren Inhalte ist unter Umständen schwierig, ich habe die Lernenden dann die individuellen Notizen zur Hilfe nehmen lassen. Sollte das nicht ausreichen, dann mache ich es so, wie Liljedahl vorschlägt: ich wähle ganz individuell zwischen den beiden Hinweisarten aus. Das kann ein zusätzlicher Strich auf dem Whiteboard sein oder der Hinweis doch das Wissen über den Flächeninhalt des Rechtecks zu nutzen.

Es gibt aktuell keine freie Minute zur Beobachtung in diesem Setting. Ich bin immer an einem Whiteboard eingebunden und muss agil entscheiden, ob und wenn ja, welche Hinweise notwendig sind um das Denken anzuregen und eigene Erkenntnisse zu ermöglichen (und: bitte arbeite im Stehen..). Und dann sind da noch diejenigen, die entweder Hinweise und Unterstützung brauchen und die, die der Anstrengung ausweichen wollen – vielleicht weil sie sich in der Frustration befinden. Das bedeutet im Umkehrschluss: dünnere Scheiben. Es gibt viel zu tun. Außerdem können noch zwei Skills helfen im Flow zu bleiben. Und diese sind für Lernende (wie auch für uns Lehrkräfte) auch sehr wichtig:

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