Erste Gedanken am Abend..
Setting: erster Tag, 8. Klasse, Gemeinschaftsschule, 21 Schüler:innen in einem neuen Klassenzimmer. Ich bin auch neu in dieser Klasse und viele Schüler:innen hatten mich noch nie im Unterricht.
Heute habe ich den Vormittag, den ich gemeinsam mit dem Lerngruppenleiter als Co-Lerncoach gestaltet habe, genutzt, um mit meinen Schüler:innen das Arbeiten in Zufallsgruppen an Whiteboards kennenzulernen. Ich habe ihnen erklärt, dass wir in Zukunft öfter in Zufallsgruppen arbeiten werden, die mit Spielkarten ausgelost werden. Die Gruppen sollen dann eine Herausforderung gemeinsam verstehen und lösen.
Die Herausforderung bestand heute darin, ausgehend von individuellen Wünschen und Bedürfnissen mögliche Klassenregeln zu den Fragen „Wie kann ich gut lernen?“ und „Was hält mich vom Lernen ab?“ im Team zu diskutieren, zu besprechen und zu formulieren. Anschließend haben die Gruppen ihre Klassenregeln der Klasse an den Whiteboards vorgestellt und wir haben die grundlegenden Erkenntnisse im Unterrichtsgespräch gesammelt.
Danach ging es in neue Zufallsgruppen, die auf der Grundlage dieser gemeinsamen Erkenntnisse mögliche Konsequenzen erstellten. Diese wurden der Klasse im Ablaufen der Whiteboards (im Thinking Classroom VNPS genannt = Vertical Non-Permanent Surfaces) von Einzelnen aus den Teams vorgestellt und erläutert. Auch Rückfragen wurden gestellt. Ausgehend davon wählten die Schüler:innen ihre drei wichtigsten Klassenregeln, die wir dann zusammengetragen haben. Anschließend haben wir diskutiert und abgestimmt.
Morgen früh werden wir Thinking Classrooms das erste Mal in Mathematik anwenden (Thema: Umfang und Flächeninhalt, Rechteck) 🚀 Ich bin gespannt.
Auf dem Merkzettel steht bei mir:
👉 Es ist notwendig die Schüler:innen immer wieder ans Stehen zu erinnern.
👉 Wer den Stift hat, der spricht nicht, muss sicher einige Zeit gelernt werden.
👉 Bei den meisten Schüler:innen klappte die Arbeitsmethode schon sehr gut. Bei denen, die sich nicht beteiligt haben, kann mangelnde Sprachfähigkeit der Grund sein. Ich bin zuversichtlich, dass die Methode genau dabei helfen wird, weil sie den Schwerpunkt auf Visualisieren, Handeln und Denken legt. Das Sprachliche wird in diesem Setting sozusagen in der Teamdynamik „nebenbei” geschult. Es ist jedoch sehr wichtig, genau diese Schüler:innen zu unterstützen. Das werde ich durch einen sprachlich einfachen Aufbau der Aufgaben und die Konzentration auf die Beiträge zum Denken, die auch sprachlich brüchig sein können, erreichen. Sprachlich einfacher Aufbau in Mathe? Schauen wir mal. 🙂
Was wirklich gut funktioniert hat:
👉 Als Lehrer:in keine Fragen zu beantworten, sondern mit Rückfragen oder einem „Spruch“ zum Denken anzuregen. Interessant, dass sehr häufig dieses „Machen wir es so richtig?“ kam.
👉 Die Arbeitslautstärke war sehr angenehm.
👉 Die Teameinteilung klappte gut, die Karten kamen vollzählig zurück.
👉 Das Denken von vielen Schüler:innen war beobachtbar. Zugleich konnte ich beobachten, dass das Denken sich sehr an dem „Was denke ich, was die Lehrkraft erwartet?“ orientiert. Das ist ein dickes Brett zu bohren.
to be continued..
(Bild von Pixabay, thx an die Creators!)