Zweite Doppelstunde Thinking Classroom

Lesedauer ca. 3 Minuten

In der zweiten Doppelstunde habe ich auf der Grundlage meiner Beobachtung am Ende der letzten Stunde und meiner Einschätzung beschlossen, da das eigene Aufschreiben wesentlich herausfordernder ist als das Abschreiben, die individuellen Einträge im Thinking Journal am Beginn der Doppelstunde zu besprechen. Wir konnten große Lücken erkennen, es war also sehr  wichtig nachzutragen. Ich kann nicht davon ausgehen, dass die Schüler:innen eigene Erkenntnisse schriftlich zusammenfassen können.

Ich habe dann die Formeln für den Flächeninhalt des Rechtecks und des Umfangs an die Tafel geschrieben, so kann das eigene Thinking Journal ergänzt werden kann. Wie ich im Nachhinein festgestellt habe, ist das unter Umständen auch völlig richtig, ganz meiner Zielgruppe angemessen. Sie müssen von mir so viel Werkzeug wie nötig, so wenig Leitplanken wie möglich bekommen.

Liljedahl führt in seinem Buch aus, dass die aussagekräftigen Notizen der Schüler:innen ihen leichter fallen, wenn die wichtigen Schritte und Erkenntnisse auf den Whiteboards markiert sind. Mein Job! Das muss ich in der nächsten Doppelstunde auch mit einem farbigen Stift machen. Am Besten mit rot. Mit rot gute Gedanken markieren.

Die Lernenden dürfen die Whiteboards nicht fotografieren, dies führe nicht dazu, dass die Umwandlung in Notizen das Denken und Lernen voranbringt.

Die Aufgabe für die Teams dann in der Doppelstunde im denkenden Klassenzimmer war:

“Mila hat das Angenot eines neuen Arbeitsgebers. Er hat ein eher seltsames Grundstück, es ist dreieickig. 24 m ist die Grundseite lang, das Grundstück ist 10 m hoch, senkrecht gemessen an der Grundseite. Er sagt, Mila bekommt 0,25 € pro Quadratmeter. Rechne dir aus, was sie bekommt!”

An der Tafel steht:

Sie haben sich an den Whiteboards in den zufälligen Teams zum allergrößten Teil sehr. angestrengt, sie haben wirklich gedacht. Die SuS sind aber zugleich noch sehr unsicher und schüchtern. Es steckt tief drin, dieses “ja keine Fehler machen”. Auch gibt es ein paar, die recht grundsätzlich wenig tun. Aber sie beginnen die Haltung, die Arbeitsweise, zu verstehen. Und die Eine und der Andere bewegt sich. Fast unmerklich, aber doch.

Einige Gruppen erkannten, dass sich das Dreieck zu einem Rechteck erweitern lässt. Eine Gruppe leitete die entsprechende Formel ab. Die Teamarbeit nahm 15 Minuten in Anspruch. Im anschließenden Gallery Walk stellten zwei Teams ihre Erkenntnisse vor. Ich verzichte darauf, dass alle Gruppen etwas vorstellen müssen. In der ersten Stunde habe ich das so gemacht und festgestellt, dass es sinnlos ist, wenn Gruppen ohne Vortragsbares ihren Lösungsweg erklären sollen. 

Die Lernenden trugen ihre Erkenntnisse anschließend in ihr Thinking Journal ein. Die Aufschriebe sind noch nicht ganz so gut. Aber da muss ich durch. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Der Aktivitätsgrad in der Team- und Denkphase am Whiteboard ist ungemein beeindruckend. Natürlich müssen zwei Schüler:innen wieder ins Stehen gebracht werden, die eine oder der andere brauchte emotionale Unterstützung. „Ziemliche Herausforderung, oder? Wo steckt ihr gerade? Erklärt einmal!” Ich musste feststellen, dass es sicher nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zu 100 % konsequent nur anregende Fragen zu stellen. Ich muss im richtigen Moment die richtige Frage stellen oder den richtigen Impuls geben. 

Fakt ist. Die Schüler:innen sind sehr bereit dazu in zufälligen Teams im Stehen eine mathematische Herausforderung zu bearbeiten. In der Stunde danach werde ich mal in Einzelarbeit schauen, wer was wie anwenden kann. Ich bin gespannt.

Ein Kommentar

  1. Hallo,

    ich bin Mathematik Lehrer am Gymnasium der Königin Luise Stiftung in Berlin. Sehr gerne möchte ich mich über Thinking Classrooms austauschen. Ich mache das seit einigen Jahren und bin seit diesem Schuljahr an einer Schule, in der jedes Klassenzimmer mit zahlreichen Whiteboards ausgestatet ist. Ich habe hervorragende Erfahrungen gemacht und würde mich über einen Austausch sehr freuen.

    Viele Grüße
    Fernando Wagner

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