Zukunft versus Lehrkörper?

Immer wieder muss ich von solchen Aussagen lesen oder hören. Ich komme etwas rum in diversen Lehrerzimmern und treffe viele engagierte SchülerInnen im Rahmen der SMV-Arbeit. Immer wieder wird Ähnliches berichtet.

Lernende, die intrinsisch motiviert und kompetent mit digitalen Endgeräten arbeiten werden ausgebremst und erhalten negatives Feedback. Dabei wäre genau das Gegenteil richtig, Lob und Ermutigung weiter kreativ, anwendungsorientiert und gewinnbringend mit Tablet und smartphone zu arbeiten.

Wenn wir uns die JIM-Studie ansehen, dann hat die Internetnutzung zur Informationssuche einen festen Platz bei Jugendlichen. 81% nutzen das smartphone zur Internetnutzung. Daraus ergibt sich aus sozialpädagogischer und bildungsorientierter Sicht die logische Schlussfolgerung, dass die Nutzung des Smartphone (und aller weiteren transportablen digitalen devices) erlernt und geübt werden muss.

Ein Verbot, wie in Frankreich, ist meiner Meinung nach kontraproduktiv. Verbote können gemeinsam als Regeln aufgestellt werden, etwa durch den Klassenrat. Regeln machen aber nur Sinn und haben auch Bestand und Akzeptanz, wenn sie partizipativ erstellt werden (und der Sinn erkenn- und verstehbar ist). Fehlverhalten wie ein Verstoß gegen die Schulordnung hat Konsequenzen, auch diese sollten gemeinsam formuliert werden. Und Schulordnungen lassen sich übrigens prima dem Neuland anpassen.

Neben aller möglichen Regeln und Konsequenzen muss eine sinnvolle Nutzung mit allen Chancen und Möglichkeiten Ziel zeitgemäßer Bildung sein. Wenn sich Kommunikation verändert, dann macht es nicht viel Sinn auf diese Veränderung mit Argumenten aus dem „früher“ zu reagieren.

Mir fällt jedesmal dieses Bild von Pierre Antoine Baudouine ein. Die Haltung der Kulturpessimisten um 1760, als das Gemälde entstand, ähnelt in bemerkenswerter Weise der Haltung von PädagogInnen zum smartphone. Wegen gedankenloser obsessiver Nutzung des Buches, verbunden mit Bewegungsarmut, werde das Lesen zum Verfall der guten Sitten und Trägheit führen. Ein Schelm, wer Ähnlichkeiten erkennt.

Die Lektüre, Pierre Antoine Baudouine (public domain)

Liebe KollegInnen, lasst die Kulturaneignungsgeräte, die im Übrigen im Lehrerzimmer und auf heimischen Sofas seit einiger Zeit zum festen Interieur gehören, ihren berechtigten und sinnvollen Platz in der Bildung einnehmen.

2 Kommentare

  1. “Ein Verbot, wie in Frankreich, ist meiner Meinung nach kontraproduktiv.”

    Die Handynutzung für Unterrichtszwecke ist in Frankreich durchaus erlaubt. Das Verbot bezieht sich rein auf private Nutzung auf dem Schulgelände. Die Oberstufen sind vom Verbot ausgenommen. Genaugenommen hat damit Bayern aktuell ein restriktiveres Handyverbot als Frankreich.

    Ist echt interessant wie undifferenziert viele das Handyverbot in Frankreich zitieren. (Mal abgesehen davon dass Frankreich mit der 1:1 Ausstattung der Schüler mit Endgeräten (Tablets/Notebooks/Convertibles) um ein zig-faches weiter ist als Deutschland und Handys schlicht dann oftmals gar nicht mehr (zusätzlich) benötigt werden.

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