Die Einlösung des Partizipations-Versprechen: Das Barcamp

Vor ein vielen Jahren begegnete ich dem Format barcamp und war begeistert von der anarchisch anmutenden Struktur und den durchweg sympathischen Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen (von den Unsympathen abgesehen, die ihre Sichtweise für die einzig richtige halten). Seitdem durfte ich viele barcamps durchführen, u.A. im Rahmen meiner Tätigkeit als SMV-Beauftragter des RP Tübingen oder im Rahmen der Unterrichtsentwicklung. Mindestens genau so gerne besuche ich barcamps und treffe dort immer auf eine Menge toller Menschen, inspirierende Inputs und tolles Networking.

Was ist aber nun ein barcamp? Bei einem barcamp treffen sich engagierte Menschen an einem Ort um sich in abwechselnden 45 Minuten langen Sessions weiterzubilden und zu vernetzen. Grundlegend ist die Haltung, dass Jede(r), die/der ein barcamp besucht sich engagieren und etwas beitragen kann und möchte.

Bei einem barcamp gibt es keine Zuschauer*innen, ein barcamp ist keinen Konferenz, auf der Vorne gesprochen und hinten geschlafen wird. Jede(r) Teilnehmer*in soll sich mit Fragen und den eigenen Kompetenzen einbringen, sei es durch engagierte Teilnahme an einer Session oder dem Anbieten und Durchführen einer Session. Man kann sich das Angebot (Session) aussuchen, bei dem das Thema stimmt und unter Umständen auch die Personen. Somit passiert auf einem barcamp in den Sessions im Bestfall nichts Anderes wie am Abend nach einer Fortbildung, wenn Gleichgesinnte bei einem Bier zusammensitzen und sich zu einem Thema austauschen und gegenseitig gedanklich befruchten und vernetzen. Und genau so geschieht es auch – nur eben ohne das besagte Bier.

Nach einer Einführung, die erstens (ganz wichtig) für die Atmosphäre zuständig ist und zweitens für die Erläuterung des Ablaufs des barcamp, werden die Teilgeber*innen aufgefordert ihre Themen/Diskussionen/Ideen einzubringen. Es beginnt die sogenannte Sessionplanung, bei der gesammelt wird wer eine Session zu welchem Thema/Fragestellung/Diskussion durchführen, bzw. anbieten möchte. Jede(r) Teilgeber*in stellt den eigenen Vorschlag kurz vor. Dann wird basisdemokratisch abgefragt, ob es unter den Teilgeber*innen mögliche Teilnehmer*innen an einer solchen Session gibt. Sollten sich Interessierte melden, wird der Session eine Uhrzeit und ein Raum zugewiesen. Dann werden die Sessions durchgeführt, hierbei ist Jede(r) für die eigene Session verantwortlich. Es wird ein Protokoll erstellt, welches analog und digital festgehalten wird.

Am Ende des barcamp steht ein Abschlussplenum, welches einerseits der Moderation die Möglichkeit gibt zusammenzufassen und andererseits können (wenn gewünscht und passend) die Sessions ihr Flipchartprotokoll und die erarbeiteten Inhalte präsentieren. Aus analogen Protokollen wird eine Ausstellung gehängt, die digital archiviert wird und zum Abschluss von den Teilgeber*innen selbst angeschaut, fotografiert und geteilt werden kann.

Und wenn man das eigene Menschenbild mit der Idee barcamp zusammenbringt, dann trifft ein Satz den Nagel auf den Kopf:

Ein barcamp ist keine methodische Variante, 
sondern die Einlösung beanspruchter Partizipation! 

(aus Medienpädagogik und Inklusion 2012/01).

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