Weit entfernt von digitaler Bildung.

Die Lernenden der Klasse 9 stehen vor der Aufgabe eine themenorientierte Projektprüfung im Team durchzuführen. In BW hat diese Projektprüfung an Haupt- und Werkrealschulen die gleiche Bedeutung wie die Noten in Deutsch, Mathe und Englisch.

Als die meisten Schulen noch Hauptschulen waren, hatten viele Projektprüfungen einen handwerklichen Inhalt, wie beispielsweise der Bau einer Bank für den Schulhof. Von der Planung, zum Einkauf und der Produktion haben die Lernenden alle Schritte protokolliert und stellten dann in der Präsentation ihr Projekt vor.

Seit den Kürzungen und Zusammenlegungen von Technikstunden entwickelt sich die Projektprüfung hin zu einer sehr themenzentrierten Präsentation, für die die Lernenden theoretisch Themen erarbeiten. Von Sucht bis hin zu psychischen Erkrankungen über Ernährungsarten und Boxen reicht die Palette.

Wenn all die digitalen tools, mit denen die Lernenden kreativ und kollaborativ arbeiten könnten, eine Bibliothek wären, dann arbeiten die Lernenden in der Mitte des Raumes mit Bleistift und Papier und ignorieren alle ihnen zur Verfügung stehenden Bücher, obwohl sie einige davon kennen. Das ist paradox, kennen sie sich doch mit tiktok, youtube und anderen Apps besser aus als jede Lehrkraft an der Schule. Warum also nutzen sie nicht andere digitale Möglichkeiten? Warum machen viele keine Fotos und zeigen diese dann? Warum nehmen nicht mehr Interviews mit Fachleuten mit dem smartphone auf und spielen diese dann ab?

Die Lernenden haben (bis auf ein paar Ausnahmen) alle die gleiche minimale Playlist:

  • google als Suchmaschine (zumeist nehmen sie den ersten link)
  • Powerpoint als Präsentationsmöglichkeit (Animationen vor Inhalt)
  • Tonpapier als Plakate gestaltet
  • einzelne Medien wie Bilder oder Anschauungsobjekte

Ich bemühe mich mit den wenigen Möglichkeiten an digitaler Hardware (kein WLAN, zu wenig Plätze im PC-Raum, beschädigte Geräte) viel an die Lernenden zu vermitteln, leider bleibt aber nicht viel zurück. Das kollaborative Arbeiten mit einem Etherpad, die Suche mit alternativen Suchmaschinen wie ecosia oder das Präsentieren mit selbst produzierten Lege-Trick-Technik-Filmen, all das ist vergessen in der Prüfungssituation.

Wir müssen digitalen Unterricht in den Alltag verankern, Leuchttürme bringen den Lernenden nichts. Das beweist leider die Unterrichtspraxis (siehe obige playlist der Lernenden).

Ein leuchtturm hat mehr Schatten als Licht

Was wir brauchen für gelingende digitale Bildung brauchen:

Persönliche Endgeräte für die Lehrenden und Mikrofortbildungen zur Nutzung und Einsatz, hierfür Anrechnungsstunden für die Durchführung der Fortbildungen

Mobile Endgeräte zur Verfügung in der Schule für die Lernenden

flächendeckendes WLAN

moderne hardware (wirless beamer für apple/android)

Zugang zu den Dateien der Lernenden auch von zuhause (24/7)


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