2018, wir müssen reden.

Ist es die Zeit, der Zeitgeist oder das Früher? Ist die Welt wirklich so schlimm, wie ich sie manchmal empfinde oder ist heute eigentlich vieles besser? Gibt es heute nicht unglaublich mannigfaltige Möglichkeiten sein Leben zu gestalten, mit medizinischer Hilfe wirklich echt richtig alt zu werden und kann ich mich nicht global grenzenlos vernetzen? Ist die Welt nicht auf einem solch hohen Level, dass wir es für alle Menschen gut gestalten könnten?

Oder sind die Unmenschlichkeit und der Kapitalismus dabei zu siegen, das Klima kippt und unsere Kinder und Enkelkindern bekommen von uns einen kaputten Planeten? Lebt die Menschheit unbeweglich auf das selbstgeschaffene Armageddon zu?

Bei allen neuen Entwicklungen bin ich mir unsicher welche Neuerungen und Erfindungen wirklich dafür gut sind unsere Zukunft besser zu gestalten. Vielleicht müssen wir uns zurück besinnen auf die wirklich wichtigen Dinge. Aber was sind die wirklich wichtigen Dinge? Das sind meiner Meinung nach allen voran Gesundheit und intakte Natur, die Familie, Liebe, Glück und die Möglichkeit die Dinge zu tun, die man machen möchte.

Geht es allen zu gut? Warum sind alle so fett, dass sie sich nicht um den Anderen oder die Umwelt scheren? Früher hieß es die Kinder sollen es später mal besser haben – wie soll das gehen? Wie geht es denn besser als heute?

Und trotzdem kein Müßiggang oder eine Weiterentwicklung hin zu einer solidarischen Gesellschaft. Wie kann eine Gesellschaft erreicht werden, in der nicht auf die Schwachen eingehauen wird und Leistung zur einzigen Maxime erklärt wird, wo rechtspopulistische Äußerungen nicht auf nahrhaften Boden fallen und innerhalb der Bundeswehr keine rechte terroristische Vereinigung entdeckt werden kann – wie können wir eine solche Gesellschaft erreichen?

Ist es so wie Alexander Gerst in dieser sehenswerten Videobotschaften sagt, dass wir uns bereits jetzt entschuldigen müssen?

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=4UfpkRFPIJk&feature=youtu.be

Ja, das müssen wir. Wir müssen endlich den Arsch hochkriegen. Bei allen persönlichen Freiheiten und Annehmlichkeiten in unserer (noch) friedlichen westlichen Gesellschaft dürfen wir uns nicht einlullen lassen vom Kommerz und den Sirenen des Nationalismus. Ich weiß um die Machtlosigkeit des Einzelnen, weiß aber auch um die Macht der Solidarität. Wir sind immer noch die 99% und wir sind mehr. Leider gibt es bis heute keine Bewegung, die es geschafft hat, diese Menschen zu vereinen. Die Gelbwesten in Frankreich vielleicht, aber auch hier muss man kritisch hinsehen, wird doch die Bewegung von allen Seiten vereinnahmt.

an Anon [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Die Occupy-Wall-Street-Bewegung in Amerika hat kurz gezeigt, dass die Menschen noch nicht ganz taub und blind geworden sind. Große Teile der 99%, die 1% der Bevölkerung gegenüberstehen, die sehr reich sind und immense Macht haben. Aber ist die 99%-Bewegung nicht davor gefeit von rechten Bewegungen unterwandert zu werden.

Das Autorenkollektiv Comité invisible führte dazu aus: „Wie jeder Werbeslogan bezieht die Parole »Wir sind die 99%« ihre Wirkkraft nicht aus dem, was sie sagt, sondern aus dem, was sie nicht sagt. Was sie nicht sagt, ist die Identität der 1% Mächtigen. Was diese 1% kennzeichnet, ist nicht, dass sie reich sind – in den Vereinigten Staaten gibt es deutlich mehr Reiche als 1% – und auch nicht, dass sie berühmt sind – sie verhalten sich eher unauffällig, und wem wollte man heutzutage nicht seine Viertelstunde Ruhm gönnen? Was diese 1% auszeichnet, ist, dass sie organisiert sind. Sie organisieren sich sogar, um das Leben der anderen zu organisieren. Die Wahrheit dieses Slogans ist fürwahr grausam, und sie lautet, dass es auf die Menge nicht ankommt: Man kann 99% sein und perfekt beherrscht werden.“ Und das beschreibt es eigentlich wirklich gut. Genau das ist das Gefühl, welches viele Menschen heute haben.

Another Believer [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], von Wikimedia Commons

Es gibt wahrlich genug im eigenen Leben, im Dorf, im Land, in Deutschland und global was einen dazu bringen kann recht mies drauf zu kommen. Wenn ich allein in die USA schaue, dann wird mir Angst und Bange. Wenn ich nach Russland, Syrien oder dem Jemen sehe und abermals miterleben muss wie Italien und Malta Rettungsschiffen die Einfahrt in den Hafen verweigern, dann könnte ich kotzen. Dann fühle ich mich recht hilflos.

Dann aber kommt der Trotz tief aus meinem Inneren, er sagt, das ist nicht Alles. Nicht alle Menschen haben die Menschlichkeit aufgegeben. Es gibt Hoffnung.

Du hast schon Berge versetzt, denn solange wie der Glauben an dich existiert
Ist auch der Gedanke, dass morgen ein besserer Tag wird, nie zu weit weg von mir
Du bist die Kraft in all unsern Taten, das, was uns Halt gibt
Die eine Flamme, die uns wärmt, auch wenn es schneit und die Wirklichkeit kalt ist
Nur durch dich hat jeder Kampf einen Sinn, auch wenn man ihn nicht gewinnt
Weil du flüsterst: „Gib nicht auf!“, denn jeder wird stärker mit dir an der Seite
Es ist noch nichts verloren, solange du sagst, es gibt eine Chance (..)

Kontra K, Lied “Hoffnung”

Mein traditioneller Jahresrückblick in der Schule endete mit einem irischen Segensspruch, der auch zu diesem Jahresabschluss meines Blog gut passt:

„Möge dein Arm nicht erlahmen,
wenn du die Hand zur Versöhnung ausstreckst.
Möge dein Fuß nie müde werden,
wenn du auf deinen Widersacher zugehst.
Mögen dir Flügel eines Engels wachsen,
wenn du von diesem Gang zurück kehrst.“

Ich schreie das raus an alle, die sich engagieren für die Menschlichkeit, sei es im Beruf, privat oder beides. Ehrenamtlich oder beruflich, oft oder manchmal.

Lasst uns weitermachen, lasst uns nicht aufgeben. Noch ist noch nichts verloren.

Frohe Weihnachten.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/P2GDnTyjf6U

2 Gedanken zu „2018, wir müssen reden.&8220;

  1. Lieber Tom,

    Vielen Dank für den, wie jedes Jahr, passenden Rückblick. Da ist leider viel wahres dran und der einzelne tut sich schwer seine Komfortzone zu verlassen. Jeder sollte etwas tun und hoffenrlich sind es in Summe genug um etwas zu ändern.
    Ich freue mich auch im nächsten Jahr mit Dir als Freund in die Zukunft zu blicken.
    Finnland wartet auf uns.

    Dein Digger
    Martin

    1. Mein Freund,
      wir verlassen immer wieder unsere Komfortzone, das ist gut so! Ich hin hoffnungsvoll, dass es irgendwann genug sind um die Dinge die schieflaufen zu ändern!
      Ick freu mir auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.