Ethik in der digitalen Transformation

Ich war mit meinen Töchtern auf dem barcamp in Bad Wildbad vom 07.-09.12.2018. Ein tolles Wochenende mit vielen inspirierenden professionellen Menschen, welches noch nachwirkt.

#wildcampen18

Besonders die Keynote von Thomas Merz am Samstagmorgen hat mich bewegt. Ich will hier ein paar seiner und meiner Gedanken und Impulse dazu ausführen.

Thomas Merz sagte, dass unser Leben und das Verstehen desselbigen auf der Basis von Biologie und Physik sich in eine hybride digitalisierte Welt ändert. In Zukunft werden wir nicht mehr genau wissen, was wahr ist und was falsch. Heute „fühlt“ eine Roboterhand Eis, diese Information kann an einen Rezipienten übertragen werden, der es dann so empfindet, wie wenn er selbst das Eis berührt hätte.

Dieser Übergang, diese radikale Veränderung hast Auswirkungen auf uns als Menschen, auf uns als Gesellschaft, auf die gesamte Welt.

In Zukunft werden Roboter beispielsweise Sozial- und Sexualpartner sein. Bei allen möglichen Vorteilen dieser Entwicklung müssen sich die Menschen die Frage stellen, wollen wir das? Muss der Mensch alles machen, weil er es kann?

Wollen wir eine solche Zukunft? Was für eine Welt wollen wir eigentlich? Müssen technologische Neuigkeiten immer in die Gesellschft integriert werden?

Die Menschheit hatte immer Zeit sich mit neuen Medien und Entwicklungen auseinander zu setzen. Im 19. Jahrhundert fehlt diese Zeit. Die Menge an Veränderungen stellt uns vor große Herausforderungen. Der Mensch heute muss sich mit mehr auseinandersetzen. Die Generation vor uns hatte ausgelernt, wenn die Ausbildung abgeschlossen war. Diese Generation wird niemals fertig.

Die kommende Vermischung physischer und virtueller Realität (Mixed Reality) ist eine der weiteren großen Herausforderungen. Menschen, die nicht physisch bei uns sind, werden trotzdem da sein. Es wird Hologramme geben, wir können anwesend sein, obwohl wir das Haus nicht verlassen. Wir werden mit einem Stuhl telefonieren können, über Äpfel die gepflückt werden, werden wir Informationen über den Zuckergehalt erhalten. Das Leben ist in ständiger Wechselwirkung mit digitalisierten Medien. Das Internet of things bewirkt eine vollständige Vernetzung allen Geschehens.

Wo bleibt das Begegnen, Berühren und das Anfassen?

Im Journalismus geht die Entwicklung von der redaktionellen zur automatisierten Publikation (Social Boots). Ein weiterer rasante Entwicklung ist die hin zu unsichtbaren lernenden selbstständig entscheidenden vernetzten Computersystemen.

So gibt es bereits heute intelligente Überwachungssysteme, die Vorhersagen treffen inwieweit eine Person straffällig werden kann. Schon 2002 hat sich die Kunst mit diesem Szenario auseinandergesetzt.

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https://youtu.be/yzilZ33mk44

Sascha Lobo hat 2017 auch etwas sehr Interessantes und Nachdenkliches dazu geschrieben.

Wollen wir das eigentlich? Wollen wir Bewerbungsgespräche, die durch einen Computer entscheiden werden? Ist dies nicht eine Aufgabe für Menschen?

Die digitale Transformation verändert unser Lehren und Lernen, unser Vorwissen und Fragen, die Lernressourcen und unter Anderem die Anforderungen von Arbeits- und Lebenswel, kurz unser Leben.

Was wollen wir eigentlich? Was ist sinnvolles Leben? Was ist Gerechtigkeit? Was brauchen wir für ein Umfeld um gesund aufzuwachsen? Was brauche ich an Informationen um mich zu entscheiden? Um frei zu leben? Um demokratische Prozesse zu ermöglichen?

Es stellt sich die Frage, von wem werden wir abhängig sein?
Wer trägt die Verantwortung, wenn wir die Computer entscheiden lassen?

D64 hat hierzu im Grundlagenpapier „Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ geschrieben: „Entscheidend ist nicht, wer eine Entscheidung fällt (also ein Mensch oder eine Maschine), sondern wie diese gefällt wird. Grundsätzlich sollten deswegen auch dieselben Regeln wie in der analogen Welt Anwendung finden. Bei besonders kritischen Entscheidungen dürfen KI-Systeme zwar als Hilfe angesehen werden, endgültige Entscheidungen müssen aber von Menschen gefällt und verantwortet werden.“

Ein Philosophisch-ethischer Diskurs ist notwendiger denn je.

Wie gewährleisten wir Freiheit, Demokratie und Chancengleichheit?

Was für eine Schule wollen wir?

„Durch künstliche Intelligenz wird die Geschwindigkeit, des durch die Digitalisierung angestoßenen technologischen Wandels mit all seinen gesellschaftlichen Implikationen, exponentiell zunehmen. Um so wichtiger ist es, die Notwen- digkeit für die Neugestaltung des Bildungssystems jetzt in Angriff zu nehmen. Die Digitalisierung bietet unglaubliche Chancen, das in seiner Struktur aus dem 19. Jahrhundert stammende System grundlegend neu auszurichten.“

D64, “Grundwerte in der digitalisierten Gesellschaft – Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität”.

Ich bin derzeit sehr in der inneren Diskussion bezüglich meiner eigenen Haltung zur rasanten Entwicklung.

Die Science-Fiction hat sich schon früher Gedanken über die Kontrolle der Ki gemacht.

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https://youtu.be/afv9lSqilwk

Eine Diskussion über Regeln für die Zukunft (und das Heute) in der Öffentlichkeit findet nicht statt. Das gilt es zu ändern.

Schon Isaac Asimov formulierte 1958 die drei Gesetze der Robotik:

  1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den Befehlen gehorchen, die ihm von Menschen erteilt werden, es sei denn, dies würde gegen das erste Gebot verstoßen.
  3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange solch ein Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt.

Genau über solche Regeln müssen wir auch sprechen.

Die wichtigste aller Fragen aber lautet:

Wie gestalten wir morgen eine Gesellschaft in der lebenswertes Leben für möglichst viele Menschen möglich ist?

4 Gedanken zu „Ethik in der digitalen Transformation&8220;

  1. Interessante Ergänzungen zum Vortrag von Thomas Merz…es ist wichtig, dass es Leute wie dich gibt, die uns das regelmäßig wieder ins Gedächtnis rufen.
    Weiter so! Toller Blog.

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